Ochsenziemer, Rohrstock, Peitsche & Co.

von GWally


Traditionelle häusliche Erziehung

 

Der Siebenstriemer hieß bei uns in Sachsen, insbesondere im Erzgebirge, Ochsenziemer und kam wohl bis Anfang der 60ger Jahre in jeder guten Familie mit Kindern vor. Je nach Temperament der Eltern wurde er auch zur mehr oder weniger schmerzhaften Erziehung von Jungen und Mädchen eingesetzt.

In anderen Landstrichen wird er auch Klopfpeitsche, Siebenriemchen, Siebenschwanz, Siebensträhner, Neunschwänzige, Farrenschwanz, Ochsenfiesel, Hunderiemen oder wie in Frankreich, Martinet genannt.

Der Ochsenziemer ist eine Riemenpeitsche mit 5 bis 7 rechteckigen Lederriemchen, die 40 cm lang und an einem 28 cm langen Holzgriff befestigt sind. Für kleinere Kinder gab es eine etwas kürzere Variante mit einer Gesamtlänge von nur 55 cm.

Die Einheitlichkeit der Maße läßt fast schon auf eine DIN- oder TGL-Norm schließen.

Der so oft genannte Rohrstock war mehr in den Schulen anzutreffen, jedoch zu meiner Kindheit schon längst nicht mehr.
Auch bei uns zu Hause lag so ein Ochsenziemer auf dem Küchenschrank. Das Foto zeigt meinen Original-Ochsenziemer auf dem Original-Küchenschrank, nur die Szene ist 2006 nachgestellt.
Ganz schlimm verhauen wurde ich damit nicht, konnte es mir auch gar nicht vorstellen, wie es ist, das aushalten zu müssen. Ich hatte  großen Respekt davor, denn er konnte ja wirklich mal so richtig auf meinem Po, womöglich auf den nackten Hintern tanzen.

Nun war das aber damals so und wurde von uns Kindern auch akzeptiert. Respektvoll schaute ich gelegentlich auf den Küchenschrank, ob der Ochsenziemer auch noch dort lag. Ihn anzufassen habe ich mir schon nicht getraut.

Nun kann man zu einer körperlichen Züchtigung mit einem Ochsenziemer stehen wie man will, es tut höllisch weh, macht rote Striemen, die aber schneller als bei dem Rohrstock vergehen. Außerdem ist bei liebe- und verantwortungsvollen Eltern die Strafe schnell wieder vergessen. Anders ist das mit Stubenarrest, Fernsehverbot, Entzug von Taschengeld o.ä.

 

Ende der 60ger Jahre schlug es mit der antiautoritären Erziehung in das andere Extrem um. Der Ochsenziemer und alles was damit in Verbindung stand, wurde totgeschwiegen.

Dazu kam noch, daß das goldene Handwerk der Schumacher zwischenzeitlich fast ausgestorben ist und damit die Herstellung der Ochsenziemer mit den Riemchen aus Lederrestern.

 

Neuerdings tauchen zu meiner Freude in Museen, historischen Klassenzimmern oder sogar in Gaststätten wieder die bekannten Ochsenziemer auf.

Bei eBay findet man sie als Dachboden-, Keller- oder Scheunenfund und kann sogar mit ihnen Preise zwischen 20 und 30 € erzielen.

 

Wer hätte das gedacht!

 

 

 

Hier zeige ich meine eigenen vier Ochsenziemer

Sie habe ich gerettet und in meine Pflege genommen.

Gerne würde ich noch mehr Ochsenziemer haben wollen. Leider kann ich nicht alle auf der Welt haben.

Ein Museum für betagte Ochsenziemer, klimatisiert und mit täglicher Lederpflege, das wäre schön!

 

 

 

Oben:    mein Allerneuester

 

 

Nebenan ist die Entstehung eines neuen Ochsenziemers zu bestaunen.

Weitere hochinteressante  Internetseiten zum Thema sind:

www.Assoziations-Blaster.de

www.Lederspanking.de

www.erziehung-früher-und-heute.de

www.eBay.de

 

Die Erziehung mit Ochsenziemer, Peitsche, Rohrstock und Co. ist tranzparent und nachhaltig!

 

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Dieses Exemplar mit vielen dünnen Riemchen fehlt mir in meiner Sammlung. Sieht aus, wie ein französischer Martinet. Aber warum ist der Holzstiel nur so zweiteilig gestaltet? Wer hat damit Erfahrungen gesammelt?

" H e i d i "

                                Eine wahre Begebenheit aus der Kindheit mit einem Ochsenziemer

 

                                                              von GWally, 19. Juli 2015

 

Es war ein sonniger Tag um das Jahr 1962. Ich spielte wie so oft mit Heidi im Sandkasten. Oma Gräfe putzte wie gewohnt Stücke für die Palla und hatte uns ständig aus dem Küchenfenster heraus im Blick.

Gegen 16.00 Uhr kam Heidis Mutti Anita von der Arbeit und wollte gleich weiter.  Sie sagte deshalb durchs Küchenfenster: "Komm Heidi, wir wollen nach Hause gehen". Heidi antwortete: "Oh schade, wir spielen gerade so schön" . Wir ließen uns nicht stören. Nach einer Weile rief die Mutti schon etwas energischer: "Komm Heidi und verabschiede dich von Oma". Wir spielten weiter. Beim 3. Mal rief die Mutti aus dem Toilettenfenster: "Komm endlich Heidi und schau mal was ich hier habe. Ich lege ihn schon mal auf das Fensterbrett". Damit meinte sie den Ochsenziemer. Wir spielten weiter, jedoch war Heidi schon viel unruhiger geworden. Da sie ihre Mutti wohl besser kannte als ich, bemerkte sie auch, daß der Ochsenziemer vom Fensterbrett verschwand. Nun besann sich Heidi und wir liefen beide los ums Haus herum. Auf halber Strecke kam uns Mutti entgegen und was hatte sie in der Hand, natürlich den verschwunden geglaubten Ochsenziemer. Ein Ausweichen war unmöglich und dann ging alles ganz schnell. Die Mutti holte weit aus und schon sausten die Riemchen auf Heidis nackte Beinchen. Sie schrie auf und lief weinend ins Haus. Mir blieb das Herz stehen und hatte nur eins im Kopf, schnell weg von hier und nach Hause.

Heidis Mutti gab mir noch mit auf den Weg: "Wenn Du nicht mit drauf hörst, was ich zu Heidi sage, dann bekommst du das nächste Mal auch ein paar mit ab". Im Haus hörte ich Heidi weinen.

Endlich zu Hause in der Küche angekommen, erholte ich mich nur langsam von dem Schreck. Ich war nur froh, daß ich nicht so einen kurzen Rock anziehen mußte, sondern meistens eine lange Hose, die mir mehr Schutz vor den vielen Riemchen zu bieten schien. Von meinem Erlebnis sagte ich zu Niemandem ein Wort und zu Heidi ging ich auch tagelang nicht mehr. Ich war mir ja nicht sicher, ob da nicht doch was nachkommt. Und mein Ochsenziemer, den ich oft schon zu spüren bekam, der lag auf dem Küchenschrank und wartete ebenfalls geduldig bis zur nächsten Gelegenheit auf mich.

 

Sprichwörter, die nichts Gutes verhießen:

 

"Wer nicht hören will, muß fühlen"

 

"Ich hole den Ochsenziemer und verhaue Dich, daß Dir Hören und Sehen vergeht"

 

"Dann hat Dein Popo Kirmes"

 

"Dir juckt wohl Dein Fell"


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